Wiegenlied für eine Leiche

28.11.2014 Peter Pelinka Kategorie(n): Allgemein

Ich gehöre zu den wenigen Journalisten, die Frank Stronach nicht nur als erfolgreichen Magnaten kennen gelernt haben: von 2001 bis 2007 unterstützte er finanziell „meine“ Wiener Austria, als Ex-Vizepräsident erlebte ich viele Eigenschaften, die ihn auch als Politiker prägen. Eigentlich: Prägten. Denn nach der Slapstick-Komödie um Kathrin Nachbaur (Lieblingstochter beichtet Papa nicht rechtzeitig ihre Schwangerschaft, zeigt auch sonst Ansätze von Trotz, wird enterbt und will dann doch reumütig zurück) ist Frank Stronach politisch tot, gescheitert wie einst in Kanada.
Auch als Fußballmäzen wandte Stronach seine „goldene Regel“ stets an: „Wer das Gold hat, bestimmt die Regel“. So abrupt er Meinungen und Mitarbeiter wechselte, so unklar es war, wem von den eilfertigen Ohrenbläsern er nächste Woche Gehör schenken würde, eins war klar: wer auch nur mit einem Halbsatz Frank widersprach, war weg, binnen Wochen beispielsweise auch der von ihm gerade als Generalmanager inthronisierte Toni Polster. Das war im Fall Fußball schade, aber nicht gefährlich. Stronach hätte mit moderneren Führungsmethoden wohl mehr erreichen können, aber immerhin: seine Millionen bescherten den Violetten wenigstens zwei Meistertitel und respektable internationale Erfolge (dass es solche dann auch ohne Magna-Millionen gab, ausgerechnet unter dem aus der Gewerkschaft kommenden Präsidenten Katzian, freut heute jene Fans, die damals unter der one-man-show litten, besonders).
Im Sport können sich EgozentrikerErfolge kaufen, in der (demokratischen) Politik nicht. Stronach dem gelebte Demokratie inklusive Debatten, Widerspruch und Kompromiss wesensfremd sind, hat kurz Teile der Öffentlichkeit beeindruckt, dann sich selbst entzaubert. Nun tun dies auch die letzten Profiteure: Kathrin Nachbaur hat Klubkollegen Zusatzgagen vom Milliardär verschwiegen, die sie – plus Steuergeld – mehr verdienen ließen als ein Minister. Und erklärt das zur „Privatsache“.
Wie lauteten die drei vom Team Stronach gepredigten „Grundwerte“? Wahrheit, Transparenz, Fairness. Nun: Game over!

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